Das sind die 11 tollsten Orte in Köln

Ich lebe in der schönsten Stadt der Welt. Ich bin hier geboren. Nach ein paar Kölsch heule ich bei „En unserem Veedel“ los.

Und ich kann mich, aus dem Stand, wahnsinnig über diese Stadt aufregen. Über ihre einmalig unfähige Regierung. Egal welcher Couleur. Ihre Kurzsichtigkeit, Provinzialität, Kleckserei. Über die grummeligen Leute hier. Über diese fiese Altmänner-Karnevals-Kultur. Über die Selbstverliebtheit. Und die Unfähigkeit, die Geschichte dieser einzigartigen Stadt vor dem Einsturz zu bewahren.

Aber, eben und trotzdem und deswegen vielleicht auch: „Et jitt kei Wood, dat sage künnt, Wat ich föhl, wenn ich an Kölle denk…“

Und bevor ich jetzt schon wieder Tränchen verdrück: Ein Listical! Meine ganz persönlichen Kölner Lieblings-Orte. Mit der Gewissheit, dass ich sie bald wiedersehe und vor allem: München ist schon auch schön.

1) Dä Dom

„Was haben die Kölner nur immer mit ihrem Dom?“, fragte mein Chef mal.

Meine Großmutter verbrachte die letzten Kriegsjahre in Thüringen. Kurz nach Kriegsende reiste sie gemeinsam mit ihrer Schwester und ihrer Mutter zurück in die Heimat, nach Köln. Der Zug war hoffnungslos überfüllt. So hing Maria Schneider, meine Großmutter, mit anderen Rückkehrern zusammen außen am Zug, an einen Lüftungsschacht geklammert. Was von der Heimat noch übrig war, wusste keiner.

Als der Zug langsam auf die zerstörte Hohenzollernbrücke zurollte konnten die, die außen am Zug waren, zuerst über den Rhein blicken. Er war noch da. Der Dom.

Meine Großmutter fing zu weinen an. Und alle gemeinsam sangen:

Wenn ich su an ming Heimat denke
un sin d’r Dom su vör mer ston,
||: mööch ich direk op Heim an schwenke,
ich mööch zo Foß no Kölle gon. :||

Das. Das haben die Kölner mit ihrem Dom.

2) Die Venloer Straße

Zwischen Innerer Kanalstraße und Gürtel. Downtown Ehrenfeld. Mein Großvater war hier Schlossermeister, hatte seinen Laden in einer der Seitenstraßen. Klassisches Kölner Arbeiterviertel. Meine Mutter hatte auf dem Innenstadt-Gymnasium noch Klassenkameradinnen, denen der Umgang mit der Ehrenfelderin versagt war. Ehrenfeld war asi. Das war auch noch in meiner Jugend so.

Heute ist alles anders. Es gibt zwar noch „Strohhut’s Eck“, die Reibekuchen-Bude und den Pferdemetzger. Aber es gibt auch T-Shirts zu kaufen auf denen „Paris – London- Tokyo -Ehrenfeld“ steht. Es gibt so Schaufenster, hinter denen stehen Apple-Computer und es ist nicht sofort ersichtlich, mit was hier Geld verdient wird.

Ein veganer Asia-Imbiss. Handy-Läden. Kochlöffel. Eine Pfeffer Trading Company.

Venloer Straße

Ehrenfeld, mit der Venloer im Herzen, ist mein Veedel. Hier haben schon meine Urgroßeltern gelebt, da ist Pöttgen, hier wohne ich, da ist mein Lieblings-Café, da ärger ich mich über den Radweg. Dinge ändern sich, manches bleibt.

Über die Karnevalstage wird blau-gold geflaggt. Die Farben des Stadtteils. Da freue ich mich immer.

3) Aachener Weiher

Der Aachener Weiher geht so: Erste Wärme, Bier am Büdchen kaufen, Platz ohne Vogelmist finden, setzen, klönen, auf’s Wasser starren, bleiben bis gut ist. Und ganz Köln sitzt um einen rum und grillt.

Aachener Weiher

Wenn es dunkel wird, spiegelt sich die vorbeifahrende Straßenbahn in der Wasseroberfläche. Großstadt-Erahnungs-Moment.

4) Alfredo

Eine kleine Barista-Bar in der Innenstadt. Wenn ich mit meiner Mutter in der Stadt bin, irgendwann setzen wir uns dorthin. Man schaut auf die Leute, die vorbeigehen, trinkt den besten Prosecco aller Zeiten, isst Oliven und Pasticcini. Und bleibt immer noch für ein zweites Glas.

Alfredo Köln

5) Rautenstrauch-Kanal

Joggend brauche ich 5-6 Minuten, dann bin ich am Kanal. Die letzten Jahre konnte ich die umfangreichen Bemühungen des Grünflächenamtes beobachten, den Kanal sauber zu kriegen. Erfolglos, wie mir scheint. Auch das ist Verläßlichkeit.

Rautenstrauch Kanal

Je nach Wochentag und Uhrzeit läuft man an sportelnden Schülern der Liebfrauenschule vorbei. Mutti-Brigaden mit Kinderwägen. Und, immer, anderen Joggern. Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich diese Strecke schon abgelaufen bin. Vor zwei Jahren habe ich für einen Marathon trainiert. Da habe ich mich oft gefragt, wann ich den Kanal nicht mehr sehen kann. Noch geht’s. Das spricht für ihn.

6) Mein Fenster

Wir haben keinen Balkon. Aber ich hab ein Türfenster. Da kann man sich reinsetzen. Himmel gucken, dem Fernsehturm winken oder Studenten auf Fahrrädern zählen. Mit Liebeskummer kann man in meinem Fenster auch raus-rauchen und Rum trinken. Auch wenn man weder raucht noch Mittags sonst Rum trinkt. Aber das alles kann dieses Fenster.

fenster Ehrenfeld

7) St. Maria im Kapitol

Während der „Romanischen Nacht“ in eine Decke gewickelt am kalten Stein lehnen und mit Blick auf den Lettner mittelalterliche Vokalmusik hören. Um kurz nach Mitternacht im Kreuzgang auf einer Bierbank Weißwein trinken und ins Gespräch kommen. Wunderbar.

8) Der Küchentisch von W. und B.

Zu Wiebke und Bernd laufe ich zu Fuss. Die beiden wohnen um die Ecke. In der Wohnung angekommen, hänge ich meine Jacke auf, gehe schnurstracks in die Küche und setze mich.

An ihrem Küchentisch habe ich schon so viel erlebt: Wir haben meine mündliche Promotionsprüfung geübt, Wiebke und ich haben Bernd’s Mutter unsere Lesung vorgetragen, wir haben geplant, Ideen entwickelt und verworfen. Viel gelacht. Wein und Tee getrunken. Über Krankheiten gesprochen, Hoffnungen, Enttäuschungen. Wie man weitermacht. Über Eltern sinniert, Affären, Brownie-Rezepte.

Ich bin getröstet worden. Durfte erzählen, mich beschweren. Und irgendwie stellt Wiebke immer was zu Essen hin. So einen Küchentisch braucht man.

Küchentisch

9) Neptunbad

Als junges Mädchen war ich hier regelmäßig schwimmen. Wie schon meine Großmutter und meine Mutter war ich Mitglied im 1. Ehrenfelder Damenschwimm-Verein. Auf zwei Bahnen ist die „Jugend“ geschwommen. Im Rest des Beckens die „Damen“ mit riesigen Plastikblumen auf den Badekappen.

Ich weiß gar nicht, ob es den Verein noch gibt. Die „Städtische Badeanstalt Neptunbad“ in alter Form gibt es jedenfalls nicht mehr. Ein Jugendstil-Juwel mitten in Ehrenfeld. Und das ist nicht übertrieben. Heute ist dort ein Premium Sport und Spa-Dingens drin. Aber das muss man nicht unbedingt beklagen, denn: Es gibt einfach keine schönere Saunalandschaft. Wirklich wahr.

neptunbad

10) Theken

Gute Theken sind wie der kleine Gott Kairos. Man muss Glück haben und man muss kräftig zupacken. Denn wenn man eine gute Theke erwischt, darf man nicht loslassen. Sondern unbedingt dableiben.

theke

So wie dieses Jahr Karnevaldienstag. Wir gingen in Neuehrenfeld zur Nubbel-Verbrennung, irgendwie einigten wir uns auf einen Laden. Und dann war auf einmal auch Meltem da. Und ihr Freund und dessen Familie. Und Jochen kam nach. Und ein Kranz nach dem anderen ging durch. Felix stand auf der Bank und schlug die „decke Trumm“. Laura und ich an die Theke und zwei Flimm getrunken und Bier für die anderen geholt.

Und wir tanzten und sangen, so wie man tanzt und singt, wenn in ein paar Stunden alles vorbei ist.

Es war der schönste Abend.

11) Müngersdorfer Stadion

Von mir aus können sich alle auf den Kopf stellen. Ich bin alt genug, ich kann anfangen, nervige Spracheigenheiten zu pflegen. Noch ältere Menschen reden manchmal noch von der D-Mark. Für mich ist das „Rheinenergie-Stadion“ der Euro und das „Müngersdorfer Stadion“ die D-Mark.

So hieß das nämlich früher noch, als wir Vize-Meister waren, Christoph Daums Nase einfach nur groß war und drei Weltmeister im Kader standen. Zu Zeiten, als Fußballer noch von Ihren Ehefrauen gemanagt wurden.

Ich war 1989 das erste Mal im Stadion. Südkurve, 4:0 gegen Nürnberg. Wer da nicht Fan wird, hat ein Herz aus Stein.

Ich war im Stadion, als Thomas Häßler verabschiedet wurde. Und am 15. Juni 1991, als Kaiserslautern dort Meister wurde. Ich war beim ersten FC-Abstieg dabei. Das war zum Glück in Bielefeld. Einen Ort, den es bekanntlich nicht gibt.

Müngersdorfer Stadion

Und ich war im Stadion, als der FC 2008 (mal wieder) in die Bundesliga aufstieg. Es war Mai, es war warm. Wir standen in S4 und stürmten den Rasen. Für solche Momente ist sogar Absteigen gut.

Und Köln. Köln auch. Auf Dich, mi Hätz!

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