von der Langeweile I

Die Langeweile war eigentlich das Schlimmste. Und nein, ich war nicht im Knast. Aber das gelangweilte Sitzen in einem Büro kann diesem Erlebnis schon sehr nahe kommen. Ihr wisst, was ich meine, oder?

Langeweile: Eigentlich lege ich Wert darauf, mich nirgends zu langweilen. Ich glaube nämlich wirklich, dass fast alles irgendwie interessant sein kann. Wenn man ein bisschen Liebe, ein bisschen Phantasie an die Sache trägt. Billard im Fernsehen, Charles Dickens, sogar: Hochschulakkreditierung. Frei nach Karl Lagerfeld: „Nur langweilige Menschen sind gelangweilt„.

Aber wenn einem das „nicht-langweilen“ nicht gelingt, dann ist es einfach schrecklich. In langweilige Vorlesungen bin ich als Studentin einfach nicht gegangen, oder habe mir zumindest was zu lesen mitgenommen. Tagträumen kann ich auch ganz gut. Mit ein bisschen Übung kann man sogar unterm Tisch stricken. Aber das bringt einem auf der Arbeit leider nichts. Da starrt man dann im schlimmsten Fall der Tristesse stundenlang in die leeren Augen und merkt dabei, wie die eigene Lebenszeit folgenlos verrinnt.

Ich habe mich dann aus lauter Verzweiflung meinem Computer anvertraut. Ich so, am Schreibtisch: Google, „I am bored“, „I am bored out of my f***** mind“, Google, Eingabetaste: „Ich kriege HIRNFURUNKEL vor lauter LANGEWEILE„, Google, bitte: „I **** hate my job“. Irgendwann hat mich der Google dann verstanden und spuckte aus: Boreout-Syndrom. Hat die Empfindung einen Namen, fehlt aber noch das Gegengift. Was also tun?

Irgendwie und irgendwann habe ich dann beschlossen, zu alt für Langeweile zu sein. Wer fünf Jahre Latein in der Schule durchstehen musste, hat den ersten großen Lebensgeschmack auf diese Empfindung schon nippen dürfen und möchte, bitte, nicht noch mehr davon. Man kann vieles aushalten und durchstehen. Aber Langeweile, auf Dauer, schulden wir niemandem. Im Gegenteil. Es ist einfach unfair, dem Leben gegenüber, sich zu langweilen.

Tiefe Erkenntnis, kostet aber was. Für mich der Hauptgrund für meine Kündigung. Und ich bin so froh, den Preis gezahlt zu haben.

Liebe Langweile, dies ist eine Kampfansage!

Kategorien:my story, was tun?

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