Sport als Beruf II – Ein Gespräch mit Mette Zimmat (Rugbyspielerin)

Wer wissen möchte, wie „Sport als Beruf“ aussehen kann, der sollte sich mal den Instagram-Account von Lukas Podolski anschauen. Training, Flugzeug, Massage, Selfies mit dem Hund/David Beckham/Mitspielern, Sponsorenbilder und der Blick von seinem Penthouse im Rheinauhafen.

Wer wissen möchte, wie „Sport als Beruf“ auch aussehen kann, der kann sich mal versuchen vorzustellen, wie zweimal täglich mehrstündiges Training in einem Schwimmbecken, in einer Eishalle, auf einer Tartanbahn aussieht. In Chemnitz, Saarbrücken oder Hannover. Ohne Anfeuerungsrufe aus dem Orcus, ohne Öffentlichkeit, ohne viel Geld. Und mit einem Studium nebenbei. Stellt Euch das mal vor.

*…*

Will sagen: „Sport als Beruf“ kann vieles bedeuten, für eine kleine Minderheit nur ist es der Weg zu Ruhm und Geld. Was bewegt einen jungen Menschen also dazu, trotzdem Leistungssport zu machen? Sich im Training zu quälen, schwere Verletzungen in Kauf zu nehmen um dann nur vielleicht mit einer Olympia-Teilnahme belohnt zu werden? Wie funktioniert „Sport als Arbeit“, wenn man gleichzeitig in einer Lebensphase ist, in der man die beruflichen Weichen für eine Karriere außerhalb des Sports stellen möchte, stellen muß?

„Sport als Arbeit“ – wie kann das gelingen?

Daher verabrede ich mich mit Mette Zimmat, Schülerin des Kölner Sportinternats und Mitglied des Perspektivteams des Olympiastützpunkt Rheinland. Mette ist 18 Jahre alt, in ihrem letzten Schuljahr an einem Kölner Gymnasium und hat trainingsbedingt einen vollen Terminkalender. Aber wir finden etwas Zeit zum Gespräch – Mette kommt direkt vom Training, aufgeräumt und sympathisch abgeklärt beeindruckt die Rugbyspielerin durch ihre Zielstrebigkeit und offene Art.

GW: Mette, ich hab gerade angefangen, „The Voice of Germany“ zu gucken und wenn dort einer zu Ende gesungen hat, heißt es immer: Wer bist Du, wo kommst Du her, was machst Du?

MZ: Mein Name ist Mette Zimmat, ich bin 18 Jahre alt und seit Januar 2013 hier im Sportinternat. Ich habe seit ich zehn war Leistungshandball gespielt und bin dann in der 11. Klasse nach Neuseeland gegangen, für ein Auslandsjahr. Nachdem ich dann drei Wochen da war, ohne Sport, bin ich meiner Gastfamilie dort dermaßen auf den Zeiger gegangen, dass ich nach etwas gesucht habe, was ich (sport)leistungsmäßig machen könnte. Da es dort keinen Handball gab, hat man mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, beim Rugby mitzumachen.

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„Offen sein für alles ist immer gut“

Rugby hat dann einfach Mega-Spaß gemacht. Mein Team war auch sehr erfolgreich und dann kam bei mir plötzlich der Leistungsdruck. Um weiterspielen zu dürfen musste ich viel trainieren. Vom Handball her war ich ja mit dem Körperlichen vertraut, konnte mich durchsetzen. Der schwierigste Teil der Umgewöhnung war daher der Ball! Hab mich allerdings nicht ganz doof angestellt und dann hat mein Trainer dort irgendwann die deutsche Nationaltrainerin angeschrieben, zu dem Zeitpunkt war gerade der Stützpunkt in Köln gegründet worden (Anm.: 7erRugby wird ab 2016 wieder olympisch).

Als ich aus Neuseeland zurück gekommen bin, habe ich eine Probewoche hier in Köln gemacht und musste mich dann entscheiden: Es war Freitag, Montag musste ich an einer Schule angemeldet sein. Dann habe ich mich für Köln entschieden.

GW: Ist Olympia Dein großes Ziel?

MZ: Ja. Allerdings bin ich da ganz realistisch, ich bin ja noch recht jung und bei Rio 2016 bin ich erst 20, da ist man im 7er Rugby noch nicht so erfolgreich. Natürlich arbeitet jeder auf Rio hin, aber wir müssen uns auch erstmal qualifizieren. In Deutschland fehlt viel Geld im olympischen Sport und gerade neue Sportarten bekommen noch weniger finanzielle Unterstützung, wir haben halt auch noch keine Medaillen gemacht. Das wird schon ein hartes Stück Arbeit, dort hinzukommen!

GW: Wenn Du nächstes Jahr Abi machst, musst Du Dich ja auch entscheiden, was danach kommt. Weißt Du das schon?

MZ: Noch nicht so ganz genau. Gerade hier im Internat merkt man schon, wer eine olympische Sportart macht und wer nicht. Die meisten von den olympischen Sportarten sind schon gut in der Schule, denn die wissen: Wenn es in der Schule nicht läuft, gewinn ich vielleicht einmal Olympia, aber was habe ich davon?! Da hab ich kein Gehalt, keinen guten Job und deswegen konzentriert man sich doch eher auf die Schule und steckt den Sport auch mal zurück.

Aber für mich gibt es auch die Option, vielleicht Sportsoldatin zu werden: Man kann trainieren, kriegt Geld dafür und kann auch studieren. Gut, dass dauert dann länger, aber es ist trotzdem eine sehr reizvolle Sache. Geld verdienen und trotzdem Sport machen können.

GW: Wäre für Dich das ein Ideal, mit dem Sport Dein Geld zu verdienen?

MZ: Ideal wäre das, allerdings wird man in Deutschland mit Rugby einfach kein Geld verdienen. Man kriegt vielleicht seine Fahrten bezahlt, die Ausrüstung, aber es gibt keine Prämien. Bei den Männern sieht das schon anders aus, aber in Deutschland gibt es keine Profi-Vereine für Frauen und selbst in Neuseeland oder England wird man kein großes Geld verdienen als Frau im Rugby. Vielleicht Vereinsprämien kassieren, 500 Euro im Monat oder so. Da gibt es nur die Option Sportsoldatin zu machen oder man macht es auf Leistungsebene und fokussiert auf den Job.

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Da muss man dann den einen Schritt weitergehen, über den eigenen Schatten springen

GW: Und was den Job angeht: Hast Du da auch schon irgendwelche Vorstellungen?

MZ: Nicht direkt. Ich überlege gerade, was ich nach dem Abi machen möchte. Eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, sofort an die Uni zu gehen, also direkt aus dem Lernen wieder ins Lernen zu gehen. Und studieren ist schwer mit dem Sport zu vereinbaren. Ich möchte später mal in den Wirtschaftssektor gehen, aber ich habe mich noch nicht entschieden, was ich studieren möchte. Vielleicht Wirtschaftspsychologie, das klingt interessant.

GW: Was wäre Dir denn das Wichtigste? Also wenn Du deiner Idealvorstellung nachgehen könntest, was die Arbeitsbedingungen, die Inhalte Deiner Beschäftigung angeht?

MZ: Ich organisiere gerne. Und ich würde später schon gerne eine Führungsposition haben, vielleicht im Personalmanagement. Ich bin ein Team-Mensch. Natürlich möchte ich so viel Geld verdienen, dass ich meine Familie ernähren kann und vielleicht auch ein wohlhabendes Leben habe, später. Aber die Arbeitsbedingungen sind mir auch total wichtig, vor allem das Arbeitsklima. Das ich Spaß habe auf der Arbeit, meine Kollegen nett sind. Klar, da gibt es immer Konflikte, aber ich möchte trotzdem ein angenehmes Klima erfahren und nicht in meiner Persönlichkeit unterdrückt werden.

GW: Hast Du den Eindruck, das Dir da auch der Sport helfen kann? Gerade beim Rugby sind ja auch Qualitäten wie Durchsetzungsvermögen….

MZ: Alle sagen immer Rugby ist so hart, aber Handball ist viel härter! Ich bin ja nicht die Größte und dann kriegt man halt immer mal einen mit. Aber vor allem denke ich mir, dass dieses „im Team sein“ wichtig ist. Ich hab zum Beispiel eine gute Freundin im Team, ich trainiere jeden Tag mit der, wir machen immer was zusammen, aber ich weiß auch: Am nächsten Freitag ist die Nominierung und ich will besser sein als die. Das ist ein Konflikt, der zwischen einem steht, aber im Teamsport lernt man schnell zu akzeptieren, dass jemand besser ist als man selbst und dann muss man halt an seinen Schwächen arbeiten.

Das ist eine Stärke, die lernen wir hier auch gerade im Internat. Man ist weg von zu Hause und muss lernen, sich alleine durchzusetzen und Kritik nicht böse nehmen, Kritik ist ein wichtiger Faktor. Es gibt Spieler, die spielen, und immer ist alles toll. So war das bei mir auch zuerst. Ich habe immer gespielt. Und dann kam ich zu den Frauen, habe trainiert, immer mein Bestes gegeben, aber ich bin nicht nominiert worden und wieder nicht und wieder nicht. Was kann ich noch machen? Da muss man dann den einen Schritt weitergehen, über den eigenen Schatten springen. Das wird im Berufsleben bestimmt wichtig, wenn man da abgehärtet ist.

GW: Mette, ganz lieben Dank!

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