re-location

Es muss weitergehen! Denn es geht ja einfach weiter und zwar schon so weit, dass das sogenannte „Leben“ (also: die Zeit) mal wieder etwas schneller ist als ich. Noch vor einer guten Woche saß ich auf einem Balkon im grünen Allgäu, bei Sonne, bei Schnee, beugte mich über die Brüstung und sah jungen Mädchen beim Kühe treiben zu. Saß morgens im Schalander, bei Brotzeit und Schafkopf, und war so weit vom „Ferngebiet“ (Köln, u.a.) entfernt, wie geht.

Und jetzt wieder: Bayern. Re-location.

Aber erstmal recap: August. Bin frisch vom Rheinradweg zurück und sehe eine Anzeige für ein Praktikum bei der Huffington Post Deutschland. Schicke schnelle Bewerbung. Video-Interview wird angesetzt. Eine Stunde bevor ich mit dem bannerstop-Team beim Business Run „auflaufe“. Trage untenrum Jogging-Klamotten, obenrum etwas Präsentables, bin schlecht vorbereitet, aber wir werden uns einig. München also, zwei Monate. Und das war noch so weit weg zu der Zeit und deswegen habe ich den Gedanken erstmal hierhin geschoben: In eine von mir erst in diesem Jahr entdeckte Region meines Hirns, genannt „vorher wird nicht geheult“. Frei nach meiner Ur-Großmutter Borghoff. Soll heißen: Denk ich erst wieder drüber nach, wenn’s passiert.

Jetzt ist es also passiert. Und ja, es sind nur zwei Monate, aber es sind dennoch: zwei Monate. Und ich denke auch drüber nach, was das so mit einem macht, dieses Umziehen. Für einen Job, von der einen Stadt in die andere. In einem Alter, indem man vielleicht nicht mehr so viel Energie hat, wie in der „Freshers‘ Week“ an der Uni, wenn man vielleicht ein bisschen träge ist für sowas, wenn man so sehr zu schätzen weiß, was es heißt: Wo wohnen, wo jemand einen feste in den Arm nimmt, zwanzig Minuten nach einer SOS-Sms. Wo wohnen, wo man bleiben möchte. Wo wohnen!

Aber Arbeit in unserer Zeit bedeutet eben auch ganz oft: re-location. Ich kenne viele Absolvent/innen, die von Bremen nach Köln, von Münster, von Berlin, von Mannheim nach Köln gezogen – oder von Köln nach Regensburg, nach München, nach London gezogen sind. Für die Arbeit. Und so sehr ich das auch mag, dieses Aufbrechen und Pi-pa-po, ich finde es auch ein bisschen grausam. Und ich habe den Verdacht, dass ich das nicht mehr möchte. Wie Horst Schlämmers Gisela. Auch in dem Ton übrigens.

Köln Heimat

Daher hab ich jetzt natürlich gut reden. Zwei Monate München. Nicht lang, nicht ganz fremd. Aber dann war die letzte Woche doch so so voll mit Abschied nehmen, dass ich gestern im Zug saß und so episch müde war, dass meine Augen brannten und ich nicht mehr wusste, wer ich war. Was unter anderem an dem Buch lag, das ich las, wo ein Mädchen auftauchte und von Erinnerungen erzählte und ich nicht mehr wusste, bin ich zu müde, um zu verstehen, wer wer ist, was was ist, bin ich in dem Buch, schreibe ich ein Buch, wer bin ich? Wie seltsam ist die Welt? Dann wieder Schlaf bis Personalwechsel. Erst Nebel bis Siegen, dann Sonne bis Endstation.

Und jetzt bin ich in München und habe einen ersten Tag Praktikum hinter mir, schon fast RoutineKantine, Deutschland ist groß und „Die Leute, die sagen, dass ein Jahr schnell vergeht, vergessen, dass sie ein weiteres Jahr bräuchten, um zu erzählen, was im vergangenen geschehen ist.“ (Cees Noteboom, Philip und die anderen).

münchen rathaus

 

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