vom Wochenende, was da alles passiert ist und die Parabel dazu

Ich komme nicht mehr hinterher. Daher jetzt einfach mal ein ratschiger Zwischenruf aus dem Allgäu, vom Bier brauen, vom Berg(fest), vom Wochenende und seiner Parabel.

Ja, Wochenende. Eine Woche Praktikum in der Brauerei ist rum; es war guat, richtig guat, I hob viel glernt, gsehn un glacht und I werd da in Ruhe drüber schreiben, wenns vorbei isch un I wieder im „Ferngebiet“ (aka Nordeutschland, aka Mitteldeutschland, aka Nicht-Süddeutschland) bin. Achso, und Bier mog I fei no liabba als wie eh!

Wochenende also. Freitag um kurz nach vier (!) aufgestanden, nach Tirol gefahren, zurückgekommen, Mitarbeitertag in der Brauerei, gmütliches Beisammensein, Bett um 23h. Wochenende? Ne, neuer Rhythmus: Samstag um 7.15h aufgewacht und mir gedacht: Dann kann ich ja gleich auf’n Grünten steigen.

rettenberg1 262

Also: Auf’n Grünten gestiegen! „Wächter des Allgäu“ und direkt „gegenüber“ von Rettenberg. Ich stramm gestiefelt, steiler Weg, schwitzend durch die gute Luft, den Morgentau, diese sauschöne Gegend, die ich nicht beschreiben kann:

rettenberg1 190

Gipfel und Hütte, wehende Zötler-Fahnen und (nur weil es noch nicht 12h war) kein Bier sondern Schorle und Glotzen auf Seen und Wälder und dieses Grün hier. Abstieg und es war grad mal 12 Uhr! Zuhause schaffe ich nur sehr selten das Äquivalent eines Berges vor’m Mittagessen – woran das liegt? Überleg ich grad noch.

Nachmittags zu meinen Cousinen nach Altusried gefahren, begrillt worden und gequatscht bis alle Kerzen runter waren – „Heimfahrt“ und heut morgen schon wieder: Strahlende Sonne, Kirchglocken, Kuhmuhen und auf nach Immenstadt, auf den Mittag, weiter zum Bärenköpfle und zum Steineberg und dann ist passiert, warum ich das hier überhaupt schreibe.

oktober 145

Diese Leiter. Unangenehm, aber es ging. Schritt für Schritt, atmen nicht gucken und besser auch nicht denken. Geschafft! Vom Gipfel dann einen anderen Weg zurück, an der „Grauen Wand“ entlang, einem steilen Grat unterhalb des Steinköpfle und dann merkte ich es leider schon: Wie ich nicht mehr auf meinen Tritt achtete, sondern nach vorne blickte und nach unten. Wie mir auffiel, wie ausgesetzt der Grat war, wie schmal, wie tief er abfiel und wie der nächste, der drittnächste schon der übernächste Tritt nicht mehr zu schaffen wären. Atmung ging nach oben, ich blieb stehen, guckte zurück und nein, zurück ging es auch nicht mehr. Was tun? Ich hatte plötzlich Angst und kam nicht mehr vom Fleck.

Ich blickte zurück und sah, dass hinter mir eine Frau angelaufen kam. Ich ließ sie vorbei. Dann kam eine Familie auf mich zu, Mutter, Vater und drei kleine Kinder. „Die müssen mich jetzt hier wegbringen“, dacht ich mir, alleine schaffe ich das nicht. Der Vater sah sofort, was mir im Gesicht geschrieben stand und eh ich mich versah, lief der kleine Philip an der linken Hand des Vaters vorweg und ich hinterher an der rechten Hand. Keine Fragen, keine Erklärungen, nur eine Hand. Und die Angst blieb zurück. Schritt auf Schritt, gucken nur auf Füße. Wir im Dreierpack über den Grat – kurze Zeit später nehmen mich die guten Leute auch noch in die Mitte und Philip fängt an, seinen Weihnachtswunschzettel zusammenzustellen. Löwengrube und Polizeihubschrauber. „Und weißt Du, was das Allerschlimmste wäre?“ „Was?“ „Wenn man nur ein Geschenk vom Christkind bekommt.“

Ich bedanke mich, der Vater – ein Raumfahringenieur, wie ich aus Philip’s Fragen schließe – sagt zum Abschied: „Gut, dass Sie was gesagt haben.“ Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob ich überhaupt etwas gesagt habe. Aber ich laufe nun den Abstieg runter, fühle mich ganz feierlich dankbar und überlege, ob dieses Erlebnis sonst noch was hergibt, außer dem Kitsch, dem man ihm unfairerweise andichten könnte. Und dann sehe ich die Parabel und sie geht wie folgt: Der Weg ist da, wo die Angst ist. Die Angst gibt die Richtung vor, deswegen sollte man sie an sich ranlassen. Ohne Angst, kein Mut. Ohne Selbstvertrauen, kein Vertrauen in andere. Hand ausstrecken, Hand ergreifen. Weitergehen.

oktober 159

Stunden später und ich sitze mit nem Russ’n sicher, müde und muskelspürend am Fenster in Rettenberg. Alles gut gegangen.Hoffe, ihr hatte auch ein schönes Wochenende!

Kategorien:guter Rat, my story

Tagged as: , , , ,

5 replies »

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s