Promovieren? Die Antworten Teil I

Verena, Historikerin, 36 Jahre, Referentin im Wissenschaftsmanagement

Ganz klar: Jein! Wenn ich mal so drüber nachdenke, was mir die Promotion bislang gebracht hat, fällt mir das hier ein:

  1. Ich werde bei Ärztinnen und Ärzten Ernst genommen – die erste Frage ist immer: „Sind Sie eine Kollegin?“ Trotzdem ich das nicht bin, trauen sie mir anschließend zu, ihnen intellektuell folgen zu können.
  2. Auf dem Klingelschild sieht der Titel toll aus – manchmal neige ich halt zum Angeben.
  3. Es ist ganz niedlich, von der Tochter „Dr. Mama“ genannt zu werden.

Die Frage, ob das ein langes Promotionsstudium in Bielefeld (sic!) rechtfertigt, ist somit mehr als berechtigt, zumal ich glaube, dass ich die Dinge, mit denen ich heute im Berufsalltag konfrontiert bin, auch nach der Magisterarbeit schon drauf gehabt hätte. Der Haken ist nur: Ich hätte den Job wahrscheinlich nicht! Den wiederum – ich arbeite beim Wissenschaftsrat – mag ich allerdings gerne.

Ehrlich gesagt habe ich mich aber nicht aufgrund diffuser Berufsaussichten im Wissenschaftsmanagement für die Promotion entschieden, sondern weil ich damals erstmal an der Uni bleiben wollte. Davon habe ich aus verschiedenen Gründen, deren Schilderung diesen kleinen Beitrag definitiv sprengen würde, Abstand genommen, die Dissertation habe ich aber trotzdem fertig geschrieben. Und dabei folgende Erkenntnisse gewonnen:

  • Nein, die Diss. ist nicht das Wichtigste im Leben! Das klingt banal, aber ich konnte sie erst fertig schreiben, als ich das begriffen hatte.
  • Mit einer Promotion, insbesondere in den meisten Geisteswissenschaften, lässt man sich auf ein Projekt ein, das auf mehrere Jahre angelegt ist. Also: Liebe dein Thema!
  • Irgendwie kämpfen alle mit denselben Problemen (Motivation, Schreibblockaden, Gedankenmatsche im Kopp,…), es hilft, Leute zu finden, mit denen man sich hierzu austauschen kann.
  • Schreiben kann man lernen – in meinem Fall hat das Schreibzentrum der Ruhr-Universität mir sehr geholfen. Ich weiß nicht, ob meine Diss ohne dessen Team jemals fertig geworden wäre….

Der wichtigste Hinweis aber zum Schluss: Ich persönlich hasse, hasse, hasse es, keine Wochenenden und keine Freizeit zu haben. Das passiert während der Promotion allerdings irgendwie unweigerlich, weil das schlechte Gewissen ein Dauergast ist. Leider habe ich bis zum Ende nicht herausgefunden, wie ich das abstellen könnte und mich auch nicht davon abhalten lassen, Dinge zu tun, zu denen ich Lust hatte. Ich schätze, mit dem schlechten Gewissen muss man in der Promotionsphase – trotz dem ganzen Selbstmanagement- und Beratungsquatsch, den man sich aus Prokrastinationsgründen unweigerlich reinziehen wird – leben können. Wenn man allerdings weiß, dass man das nicht kann, ist das ein wirklich gutes Argument gegen die Promotion!

Daniel, Politikwissenschaftler, 33 Jahre, Finanzplaner

Meiner Erfahrung nach gibt e,s zwei Möglichkeiten: man konzentriert sich auf die Dissertation und verliert dadurch natürlich auch Zeit in der man Berufserfahrung sammeln könnte bzw. man bleibt auf die Forschungsarbeit beschränkt. Während meines ersten Jobs als Wirtschafts- und Politikberater hat mir meine Dissertation tatsächlich sehr geholfen. Sowohl inhaltlich als auch wegen der Repräsentation für den Arbeitgeber. Jetzt, als Finanzplaner, hilft mir meine Selbstdisziplin, die ich aufbringen musste, um die Dissertation fertigzustellen. Fachlich ist es heute aber für mich nicht entscheidend. Manche Kunden, aber auch Kollegen, schätzen den Titel und meine Kompetenz. Grundsätzlich würde ich sagen, dass der Titel langfristig hilft.

Bernhard, Volkswirtschaftler, 31 Jahre, Referent im Wissenschaftsmanagement

Für mich war die Promotion eine Zeit, in der ich Wissenschaft für einige Jahre von ihrer romantischen Seite kennenlernen durfte.  Nachdenken, eigene Fragen stellen, hineingraben in ein Thema. Sie war für mich zugleich eine wunderbare Verlängerung des Studentenlebens — nur eher noch intensiver und freier. Aber wie gesagt: Für mich.
Letztlich erlebt in der Promotionszeit wohl jeder sein ganz eigenes Abenteuer.

Morgen folgt Teil II!

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