ein Tag mit…der Tasty Pasty-Company

Man kann jahrelang, man kann aber auch jahrzehntelang von einem eigenen Café träumen. Man kann sogar alles schon fertig eingerichtet haben, ohne das sich je ein Gast ins Luftschloss setzt. Aber man könnte ja vielleicht auch mal jemandem schreiben, der diesem Traum nachgeht und fragen, ob man nicht einen Tag mal mitmachen dürfe. Um zu gucken wie es ist, um zu lernen; um eine Vorstellung zu bekommen, was das heißen könnte.

Mini Praktikum: Volume I

Zwei Engländer in Köln, zwei Freunde, beide arbeiten schon jahrelang als Werbetexter und Übersetzer bis dann, langsam aber stetig, eine Idee heranreift, in einem sehr arbeitsreichen Jahr Fahrt aufnimmt und man sie schließlich nicht nur sehen und anfassen, sondern sogar schmecken kann: The Tasty Pasty Company. Daniel Geal und Paul Embleton konnten dieses Jahr im Februar nach viel Einsatz und noch mehr Schufterei endlich ihre ersten Pasties verkaufen. Dabei haben die beiden ihre Company im Alleingang designt und eingerichtet, das Sortiment ausgewählt, das Branding gestaltet, die Logistik aufgezogen und ein Team zusammengestellt. Und das alles bei durchaus sportlichen Startbedingungen, denn weder Paul noch Dan haben einen Hintergrund in Gastronomie UND sie verkaufen zudem noch ein Produkt, dass man in Deutschland eigentlich überhaupt nicht kennt.  Ein spannendes Stück Unternehmertum also: Wie man einen Markt zunächst behauptet, findet und an diesen Aufgaben dann (hoffentlich) wächst.

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Ein Tag bei den Pasties: Wie es war

Für mein Mini-Praktikum wollte ich einen ganzen Tag im Shop verbringen, vom ersten Porridge- Anrühren bis zum Tür-Abschließen. Morgens nahm mich zunächst Patric in Empfang und wir richteten gemeinsam den Shop her. Und Patric war der ideale Starthelfer: Er erläuterte drauflos und wir schoben dabei die ersten Pasties in den Ofen, tranken Kaffee und probe-tippten Bestellungen in die Kasse. Ich fegte, rührte Eistee an, rückte Servietten zurecht und pries kornische Teigwaren an. Wünschte „Guten Appetit“, brühte Tee, las Kühlschranktemperaturen ab und spülte Tabletts. Mittags dann kamen Paul und Dan in den Shop und Nick übernahm die Schicht von Patric. Paul erklärte Fragen zur Kühlkette und zur Logistik und Dan sprach von ihren nächsten Plänen und Steve Jobs. Zwischendurch Pasties nachbacken, mit Kundinnen klönen und Milch schäumen.

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Abstrakter gesprochen, oder warum Leute beim Essen immer gerne was im Rücken haben (weiß ich auch nicht)

Ein schöner Tag, ein aufschlußreicher Tag! Es war wirklich lehrreich, einen Einblick zu bekommen in die Komplexität einer solchen Unternehmung und auch in die Komplexität des Alltagsgeschäfts eines solchen Shops. Als Inhaber gilt es, jederzeit viele Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten – und zugleich darf man vor lauter Jonglieren auch kleinste Details nicht aus dem Auge verlieren. Heißt in diesem Fall nicht nur die Frage welches Holz man für die Theke wählt, welches Licht auf die Pasties scheint, und welche Preisschilder man nutzt. Es heißt natürlich auch, wie man die Preise setzt, welche Rabatte man gewähren kann und wie man sicherstellt, dass immer genug „Cheese, Tomato and Basil“ vorrätig sind.

Bei einem solchen Tag erfährt man aber auch einiges über die Regeln, die einem solchen Betrieb zugrunde liegen. Sprachregeln, Serviceregeln, ungeschriebene Regeln, aber auch Regeln der Regelungen: Wie lange darf Essen Kunden angeboten werden, welche Lizenz braucht es wofür und wie warm müssen Wärmeplatten sein? Eine Konstante findet man allerdings überall: Ein gutes Team ist das Allerwichtigste. Und in einem solchen Betrieb ist es eben auch Teil der Stimmung des Ladens, Teil des Wohlfühlfaktors. Das hat auch Dan gesagt: Mit einem guten Team kann man sich darauf verlassen, dass die 1000 Dinge, die man beachten muss, auch von anderen beachtet werden und bestenfalls, neue Ideen dazukommen.

Und?

Kann ich mir vorstellen, vielleicht selber einen solchen Schritt zu wagen? Schon. Kein donnerndes, aber definitiv ein “ja“. Unabhängig davon, dass ein eigener Laden, ein eigenes Café, überhaupt ein eigener Betrieb natürlich immer als glücksverheißende Fluchtphantasie taugt, ist es aber auch mehr: Eine anspruchsvolle und kreative Aufgabe. Eine Idee zu verwirklichen ist ja oft das Aufregendste was man so machen kann. Mut, Fingerspitzengefühl, Vision und Schmackes sollte man wohl haben. Märkte wollen adaptiert werden und ob das dann klappt, weiß man im Zweifel zumindest hinterher. Man muss in Bewegung bleiben um, wie es Dan formuliert hat, als ich ihn nach Ihren Zielen fragte: „to be busy with your business“. Eine wirklich schöne Vorstellung: thank you, guys!

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Kategorien:Praktika

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