fragebogen I – Paul Jan Schmidt

Ich muss erstmal etwas ausholen, denn Paul ist an so vielem Schuld, da braucht es ein paar extra Sätze.

Kennengelernt habe ich Paul vor knapp zwei Jahren, er ist der Freund einer damaligen Arbeitskollegin (die auch mittlerweile den Sektor gewechselt hat und von der hier auch noch zu hören sein wird) und einer der wenigen Menschen in meinem Bekanntenkreis, der keinen blöden Chef hat. Er ist einfach sein eigener.

Andrea, seine Freundin, war mir vor allem in meiner verzweifelten Grübelphase eine tapfere und mitfühlende Zuhörerin, Beraterin und Ideengeberin. Eines Abends stand ich dann mal wieder mit saurer Miene bei den beiden in der Küche, bekundete meinen Unmut über die Arbeit, erzählte von dem aktuellen Job-Ratgeber den ich grad las, als Paul zur Tür reinkam, mir zuhörte, mich etwas verwundert ansah und mit Bestimmtheit verkündete: „Du musst da raus!“

Was soll ich sagen, das war der sprichwörtliche Wassertropfen und ich ging an diesem Abend euphorisch ins Bett, wachte voller Courage auf, bekam wieder Zweifel, ging zur Ablenkung in den Stadtwald, bemerkte irgendwann mein wiedergekehrtes Lächeln und wusste endlich, endlich was ich zu tun hatte. Einen guten Monat später hatte ich gekündigt.

Hier hört Pauls Schuld aber noch nicht auf. An meinem letzten Arbeitstag nämlich, da saß ich mit Andrea und Sekt im Volksgarten, die Sonne knallte, alles war im Fluß, da erzählte Andrea, Paul habe da möglicherweise eine kleine Stelle für mich in seiner Firma, also nur wenn ich mir das auch vorstellen könnte und Lust dazu hätte und…seitdem sind ein paar Monate vergangen, ich arbeite in Pauls Firma, es macht mir Freude, ich lerne ganz Neues und daran ist auch, mal wieder, Paul schuld.

Paul kommt aus dem Sauerland, hat Politik und Soziologie in Marburg studiert, eine Firma gegründet die Wasserkühlsysteme für Desktop-Computer herstellte, und sich Mitte der 2000er in den Marketingbereichen verschiedener IT Unternehmen getummelt. Er ist Inhaber und Geschäftsführer einer Marketingagentur sowie Inhaber und Leiter des Marketingbereichs der bannerstop, einem Unternehmen das großformatige Drucksachen, wie Fassadenbanner und Fahnen, verkauft.

Paul hat einen „Macher-Drive“. Er ist anspruchsvoll, reflektiert und er spricht über das „Amortisieren“ einer Idee als sei das eben eine Selbstverständlichkeit und keine Schamgrenze. Paul ist nicht nur gut „auf der Arbeit“, sondern auch ein toller Ratgeber. Und nun genug von mir, denn jetzt kommt er nämlich, endlich, selbst zu Wort:

Paul Jan Schmidt Unternehmer

Name: Paul Jan Schmidt

Alter: 37 Jahre

Stadt: Köln

Früherer Berufswunsch: Motorradrennfahrer, Journalist im IT Bereich, Kampftaucher

Was machst Du beruflich?

Schwierige Frage. Mein Vater hat auf diese Frage immer „freischaffender Künstler“ geantwortet und ich weiß noch, wie doof ich das fand. Aber heute gebe ich manchmal die gleiche Antwort, wenn ich keine Lust habe zu erklären, was ich mache. „Was ich mache“ ist vielleicht auch die bessere Frage als „was machst du beruflich“, da meine Arbeit und mein Privatleben übergreifend ineinander ragen.

Ich würde sagen, ich bin Unternehmer und das ist wie Polizist zu sein, das ist man immer. Ich überlege mir, wie man Geschäfte machen kann, wie man Prozesse optimieren, Ideen amortisieren 😉 und seine Umwelt und die der unmittelbar Anderen im positivsten Sinne effizienter gestalten kann.

Wie sah Dein Ausbildungsweg aus, wie bist Du zu Deinem Beruf gekommen?

Ich bin wohl der klassische Quereinsteiger.

Da ein Großteil meiner Freunde aus der Heimatstadt Iserlohn nach Marburg zum Studieren gegangen ist, habe ich das einfach auch mal gemacht und da ich keine Ahnung hatte, was ich studieren soll, habe ich mir zwei Semester BWL angetan und dann gemerkt, dass meine Fähigkeiten eher im ganztägigen Counterstrike-Spielen liegen denn im BWL-Studium.

Nachdem auch diese Karriere sich als eher unzureichend abzeichnete, habe ich mich ernsthaft gefragt, was ich studieren will und mich in Politikwissenschaft und Soziologie als Nebenfach eingeschrieben. Heute würde ich die Politikwissenschaft weg lassen, aber da ich das Studium nie beendet habe, spielt das wohl keine Rolle. Ich habe bis zum Ende studiert, aber bis heute nicht die Diplomarbeit geschrieben. Der Grund dafür war, dass ich bereits zu Beginn meines Studiums zusammen mit drei Freunden mein erstes Unternehmen gegründet habe, damit viel zu tun hatte und den Abschluss immer vor mir her geschoben habe.

Es kam leider, wie es kommen musste, meine erste Firma ging pleite. Heute würde ich sagen, dass das „Pleite gehen“ der wichtigste Teil meiner unternehmerischen Ausbildung war.

In Deutschland ist es ein großer Makel, eine Fima in die Insolvenz zu führen, dabei sollte es eher eine Auszeichnung unternehmerischer Erfahrung sein, die man durch das Erreichen einer Grenze gewonnen hat.

Jedenfalls brachte mich der Umstand der persönlichen Haftung dieser Pleite an den Rand der Existenz und von dort aus langsam bergauf, durch Marketingabteilungen verschiedener großer Firmen.

Mein Studium war dennoch ein wichtiger Teil meiner beruflichen Ausbildung, da das dort erlernte Wissen und die Sicht der Umwelt mich häufig unterschied von meinen Kollegen. Ein Alleinstellungsmerkmal, das ich lange dadurch gepflegt habe, das ich einen Tag in der Woche noch zur Uni gegangen bi,n um an Seminaren teilzunehmen und „einen Blick über den Tellerrand“ zu erhalten.

Welche Fähigkeiten muss man für Deinen Beruf mitbringen?

Sicherlich die Fähigkeit unternehmerisch zu denken. Auch wenn andere anderes behaupten, habe ich diese Fähigkeit nur bei Menschen erlebt, die selbstständig sind oder waren. Dazu gehört der Mut, einfach mal was zu machen und sich nicht dem Fluß dessen hinzugeben, was allgemein als anerkannt gilt. Das Wichtigste ist aber, dass man keine Angst davor haben darf zu scheitern. Die anderen kochen auch nur mit Wasser, Selbstzweifel dienen der Reflektion, aber nicht dem Erfolg.

Sicherlich kann darüber hinaus aber eine kaufmännische Ausbildung nicht schaden. Diese erleichtert das Unternehmertum sehr und spart Zeit, die man sonst durch „trial and error“ vergibt.

Was schätzt Du an Deinem Beruf?

Ich kann machen, was ich will und wann ich es will. Das klingt zwar toll, bedeutet aber auch, dass man meist mehr arbeitet als 9to5, aber auch das mag ich irgendwie.

Ich mag aber auch die Herausforderung und das Gefühl von Erfolg, wenn mal was klappt, das man sich vorgenommen hat.

Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus, wenn es den denn gibt?

Der beginnt unter der Dusche. Wenn das Wasser auf den Kopf prasselt, habe ich die besten Ideen und Muße, den Tag zu planen. Meist schreibe ich mir noch vor dem Abtrocknen Dinge auf, die ich am Tag machen will.

Ich versuche, gegen neun im Büro zu sein und auf dem Weg dorthin ein bis zwei gute Kaffees zu trinken.

Dann gibt es Tage, an denen habe ich wenige Termine, die sind gut um Sachen abzuarbeiten: Mails, Unterlagen, liegengebliebene Themen. Meist sind diese Tage sehr befriedigend, da ich am Ende das Gefühl habe, etwas geschafft zu haben.

An anderen Tagen habe ich viele Termine. Arbeitstermine, Mittagessen, Abendessen, Mitarbeitergespräche, Videokonferenzen usw. Wichtige Tage, aber weniger befriedigend als die terminarmen Tage.

Oft treffe ich abends noch Freunde und Bekannte, mit denen ich auch „im Job“ verbunden bin. Dann vermischt sich Arbeit und Freizeit. Es ist ein Klischee, aber dann macht man die besten Geschäfte.

Gab es einen entscheidenden Moment in Deiner Karriere, der Dich dahin gebracht hat, wo Du jetzt bist?

Vermutlich ganz viele, aber ich vermag diese nicht zu greifen. Es war eher ein Prozess, der andauert und immer wieder von Wendepunkten geprägt ist, aber scheinbar einem großen Ganzen folgt.

Was oder wer war in Deiner bisherigen Laufbahn besonders wichtig?

Meinen Vater habe ich als Kind sehr bewundert. Ich wollte schon mit 15 meine erste Firma gründen. RSS (Ram short circuit) sollte sie heißen, Computer verkaufen und ich hatte bereits Briefpapier und Visitenkarten 🙂

Besonders wichtig war und ist aber vor allem meine Freundin Andi, die mich seit über 10 Jahren begleitet und unterstützt. Auch wenn sie als Wissenschaftlerin mit meinem Unternehmertum nicht viel zu tun hat, ist sie immer mein Kompass für richtig und falsch und auch wenn es einfach klingt, richtige Entscheidungen zu treffen ist oft sehr schwer, vor allem wenn man ein Grenzgänger ist.

Mein Compagnon Daniel und mein ältester Freund Christian, mit dem ich seit über 15 Jahren zusammenarbeite, waren und sind nach wie vor sehr wichtig für mich. Der Austausch mit Ihnen sichert und bereichert meine Entscheidungen in unternehmerischer und fachlicher Hinsicht.

Was möchtest Du noch lernen?

Gutes Englisch und Französisch, mehr übers Tauchen und besser zu klettern 🙂

Ich möchte gerne noch einige weitere Erfahrungen machen. Ich möchte gerne eine Idee richtig groß werden lassen und erfahren, wie es ist „mit den Großen zu spielen“. Mein Unternehmen ist zwar erfolgreich und wächst stetig, aber ich würde gerne den unternehmerischen Prozess auf ganz hohem Niveau erleben und erfahren, wie dieser auf mich reagiert.

Wo soll es noch hingehen?

Ich würde gerne etwas Geld verdienen, das mir erlaubt unabhängig zu leben. Normal zu leben, keine Motorjachten und so. Dann würde ich gerne meine Energie in etwas nachhaltig Gutes stecken. Ich habe da viele Ideen, aber noch keine konkreten.

Gibt es einen Rat, den Du jemandem der in Deinem Beruf erfolgreich sein möchte, mitgeben könntest?

Sei mutig! Mach nichts, das dich unglücklich macht (Außer zum Zahnarzt gehen, das muss man)! Häng dich rein, denn von nix kommt nix und denk immer dran, die anderen kochen auch nur mit Wasser!

Deine ideale Arbeitswelt?

Die finanzielle Unabhängigkeit Ideen auszuprobieren und ein gutes Team, das diese umsetzt.

3 Monate am Stück Urlaub, 9 Monate am Stück arbeiten. So bleibt man kreativ. Ein cooles Büro und Kollegen, die sich motivieren lassen, mehr zu erreichen.

Danke, Paul!

Kategorien:Fragebogen

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