ein Anfang, ein loses Stück Geschichte

Nun ist wieder eine Woche vergangen. Die Fenster sind sauber, das Bad auch, alle Schals und Mützen sind verstaut, meine Steuererklärung ist (fast) fertig. Ich habe keine einzige Folge „Shopping Queen“ geguckt.

Nur ans Eingemachte, da gehe ich noch nicht. Es sieht leider im Moment so aus, als ob mir nur Aufgaben gelingen, deren Ende ich absehen kann. So kann das nicht weitergehen, ich muss irgendwie anfangen.

An einem Abend vor ein paar Jahren saß ich mit B. zusammen und wir sprachen von der Zeit und ihren Eigenschaften, von dem was wir tun möchten und dem, was wir dennoch nicht tun. Wegen der Zeit und ihren Eigenschaften und wegen uns selbst und unseren Eigenschaften. Wir beschlossen, uns von all dem nicht länger aufhalten zu lassen und verkündeten, froh und bestimmt, „Kein Aufschieben der Selbst-werdung! Überhaupt Selbst-Werdung! Ab jetzt!“

Das ist eine schöne, eine tapfere Aufgabe. Aber sie ist natürlich auch paradox und gemein. Sie ist ein eitles Rätsel, eine Unmöglichkeit, ein Kanaan. Sie zielt auf unseren Kern, den wir nicht kennen – sie meint ein Selbst, dass wir mit Bestimmtheit zwar zu behaupten vermögen, dass wir aber nicht zu fassen kriegen. Selbst-Werdung, ach, Du Karotte an der Angel.

Die Situation, in der ich nun bin, Jahre nach dieser freundschaftlichen Losung, will trotzdem genau das: mehr Selbst-Werdung, ab jetzt. Das habe ich klar und kühl und siedend heiß und verträumt so gewollt. Keine Festanstellung, dafür Zuversicht und Flausen Ideen und als Hintergrundmusik eben jenes zarte Aquarell an verheißungsvollem Mehr an Selbst. Es passiert nur nicht von allein.  Also wann fange ich damit an? Ab…jetzt?! Definiere „jetzt“.

Nein, natürlich nicht „jetzt“, jetzt ist eh schon Abend und ich wollt noch was lesen und überhaupt: Selbst-Werdung braucht einen Anfang von Format, mit Vorhang, mit Bühne (mit Applaus, zur Not Auto-Applaus!), mit…Anfang halt. Ohne Anfang, kein Ende. Ohne Ende, kein Ende. Morgen?! Warum ist Anfangen so schwer, warum glauben wir, dass ein Anfang etwas ist, dass wir inszenieren müssen, damit er Bestand hat und Geschichte wird? Die panische Suche nach Anfängen macht aus uns orthodoxe Ritualistiker, nicht aber ganzere Biographien.

Ich werde morgen früher aufstehen.

Selbstverwirklichung

id ego super ego

 

1 reply »

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s