das TV am Nachmittag, das ständige Glück und das Amt

Letzte Woche Donnerstag war mein vorerst letzter richtiger Arbeitstag.

6 Tage sind seitdem vergangen. Jetzt ist Freitag. Ich habe diese Woche noch keine Folge von „Shopping Queen“ verpasst. Genau genommen stimmt das so nicht, ich habe nämlich sogar 1,5 Folgen verpasst, aber die habe ich Abends im Internet nach-geschaut. Geht ja alles heutzutage, ich bin wirklich froh darüber. Guido Maria Kretschmer’s Job würde ich auch gern haben. Ich habe auch immer das Gefühl, er spricht genau das aus, was ich denke („0 Punkte!!!“). Und im ZDF gibt es so Mitmach-Kochsendungen. Ich merke, wie meine Hürden mich für eine Fernsehsendung zu bewerben von unüberwindbar zu „och, eigentlich“ schrumpfen. Kann das bitte jemand unter Beobachtung halten?!

Jeden Tag möchte ich mich um meine berufliche Zukunft kümmern, aber wenn ich dann ein bisschen in mich reinhorche, höre ich nur ein schläfriges Stimmchen, dass mir noch ein bisschen Ruhe verordnet. Ich war 2 mal im Kino (tagsüber! So gut!), habe einen Laib Brot gebacken, eine Ausstellung und eine Kirche besucht sowie eine fehlgekaufte elektrische Zahnbürste umgetauscht. Und jeden Tag die Zeitung inklusive Wirtschaftsteil gelesen. Also einmal inklusive des Wirtschaftsteiles, also eines Teils davon. Ich habe angefangen zu twittern (ernsthaft! Also im Sinne von: wahr!) Mein xing- und mein linkedin-Profil auf den neuesten Stand gebracht. Die Katze bei meinen Eltern gefüttert. Mich mit Freunden getroffen. Und ich habe mich ein wenig um den Stand von Poldi’s Ehe gesorgt, Scheiß-Express. Meine Güte, ich hab ja voll viel gemacht.

Ich frage mich aber trotzdem durchaus, wie weit ich vom Aussteigen entfernt bin. Gestern saß ich mit A. auf dem Rathenauplatz, wir beobachteten Tauben, ich erzählte von einer Reinhold Messner-Doku und A. schlug vor, dass ich doch die erste Frau sein könnte, die alle Wüsten der Welt durchquert. Ich denke über sowas auch immer ein kleine Weile ernsthaft nach, aber Frauen machen halt so einiges mittlerweile, ich muss mich also vielleicht doch zügig vom TV loseisen und in die Gänge kommen. Wie groß ist die Gefahr einer Eisbär-Attacke am Nordpol eigentlich?

Vielleicht bin ich auch so entspannt, weil ich so froh bin. Ich hatte ganz vergessen (nie gewusst?!) wie gut es sich anfühlt, eine Entscheidung zu treffen die man für richtig hält. Ich habe eine ziemlich sichere und gut bezahlte Stelle gekündigt, weil ich gemerkt habe, dass es nicht das Richtige für mich ist. Ich war richtig unglücklich. Ich wollte eigentlich alles andere lieber machen als das wofür man mich bezahlte. Diese Entscheidung ist deswegen ein bisschen ver-rückt, weil ich die letzten Jahre damit verbracht habe, Angst vor der Zukunft zu haben. Mich mit Haut und Haar quälenden Fragen nach meinen beruflichen Aussichten hingegeben habe: Wozu promovierst Du eigentlich? Wirst Du JEMALS damit fertig? Und dann? Muss schnell was finden, muss Job haben, muss dranbleiben.

Wo waren nochmal meine beruflichen Träume? Wollte ich nicht mal DRINGEND und NUR ans Theater? Und warum mach ich plötzlich in Qualitätssicherung im Hochschulwesen, das hat mich doch noch NIE interessiert. Warum bin ich eigentlich so dämlich!

Und jetzt, es fühlt sich fast wie eine sanfte, selige Heimsuchung an, bin ich ganz entspannt. Ich habe keinen konkreten Plan. Aber ich habe ein paar Dinge vor, ich habe genug zu tun. Ich habe keinen Stress, ich bewerbe mich nirgends. Noch nicht. Ich melde mich aber auch nicht arbeitslos, ich möchte das nicht.

Ab nächster Woche habe ich einen kleinen „Nebenjob“, ich habe dann regelmäßig etwas Geld und ich habe diesen Blog eingerichtet. Hier möchte ich dokumentieren, wie es mir auf der Suche nach der Arbeit so ergeht. Was ich mir dabei denke und was ich auch einfach so mache: „act first, reflect later“. Das wäre zum Beispiel schon mal das beste Stück Karriere-Tipp, das ich je gelesen habe. Ich möchte auch andere Menschen zu Wort kommen lassen, die es anders machen, die was machen. Es lässt sich doch bestimmt so einiges berichten. Und ich weiß, dass Arbeit total das Thema ist und nicht nur meins. Mal so flapsig gesagt, aber ihr wisst ja, was ich meine.

Das also als ersten Beitrag, als Warnung vor VOX, als Initiation. Heute ist Freitag und ich geh jetzt weg vom Computer und putze weiter Fenster!

Freiheit nach der Arbeit

 

 

 

 

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